CD - Kritiken:
Rezension zu «Kunst der Fuge», 2013
Orgelmusik Johann Sebastian Bach
Melancholische Clavichordmusik
Kritiken zu «Kunst der Fuge»
Versteckte Schönheit


Konzert - Kritiken:
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AARGAUER ZEITUNG Dienstag, 17. August 2010

Zwei Lehrer, ganz unlehrerhaft

Besonderes Orgelkonzert in der Klosterkirche Wettingen

In seiner schwerelosen Melodienseligkeit gibt Schubert in seiner Arpeggione-Sonate Gelegenheit, aus dialogischem Musizieren Funken zu schlagen. Für den Klarinettisten Thomas Hunziker und seinen Hammerklavierpartner Stefan Müller ist das einst für einen erfolglosen Kreuzungsversuch aus Cello und Gitarre geschriebene Werk eine Herzensangelegenheit: Mit Feingefühl machen die beiden Kantonsschullehrer in der Klosterkirche Wettingen hörbar, dass auch hier tiefe Schubertsche Melancholie direkt unter der Oberfläche sitzt – so schön Hunzikers Klarinettenton ist, enthält er doch immer auch genug emotionale Schwebstoffe, die ein Umkippen der Musik ins Fröhliche oder eben auch ins Tragische jederzeit möglich scheinen lassen. Umsichtig und geschmeidig begleitet ihn dabei das Hammerklavier. Im Diskant relativ obertonarm und im Bass leicht, beschwört es mit kurzer Tongebung eine intime Atmosphäre. Richtig laut kann man auf diesem Instrument vermutlich gar nicht werden. Seine Schwächen hat dieses zarte Schubertbild aber dort, wo ein gesanglicher Ton nötig wäre. Etwas abgehackt kommen die Phrasen dann manchmal daher und die klassische Klarinette hätte dies mit grösseren Bögen auffangen können. Und doch: An Intensität und Suggestivität blieb nichts zu wünschen übrig.

Und diese war auch besonders gefordert in der Orgeltranskription von Stefan Müller. Nichts Geringeres als den ersten Satz der siebten Sinfonie, der grossen «Unvollendeten» von Schubert, hat er für Orgel umgeschrieben. Ein mutiges Unterfangen! Wo würde da die schwermütige Süsse der Oboe und Klarinette bleiben, das Grollen der Bässe oder der lange Atem des Horns? Nun, es war alles da: einfach zusammengeschmolzen im Mikrokosmos der Orgel. Denn Müller schaffte es, in ihr ein klangfarbliches Pendant zum Orchesterklang entstehen zu lassen. Mit einem guten Gespür für die Möglichkeiten des Instruments liess er die schroffen Kontraste in einem äusserst spannungsgeladenen, hochexplosiven Prozess aufeinanderprallen. Hier wurde nicht defensiv, sondern offensiv transkribiert. Und so spielt Müller auch. Das Schlagwort vom «zerrissenen» Schubert wurde vor allem da evident, wo die schmerzlich schönen Kantilenen abruptim Nichts enden und von kurzen, unbarmherzigen Fortissimo-Schlägen zertrümmert werden, denen nur noch traumatisierte Generalpausen folgen. Müller spielte furchtlos und man spürte: Es geht ihm ums Ganze. Und das Ganze war in diesem Fall die Orgel.

[TOM HELLAT]
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