CD - Kritiken:
Rezension zu «Kunst der Fuge», 2013
Orgelmusik Johann Sebastian Bach
Melancholische Clavichordmusik
Kritiken zu «Kunst der Fuge»
Versteckte Schönheit


Konzert - Kritiken:
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«Mozart in neuem Gewand» 2014
«Höhepunkte der musikalischen Reife» 2014
«Alte und neue Musik in anderer Gefühlswelt» 2014
«Himmlische Klänge, die das Publikum zu...» 2014
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«Spannende Klangerlebnisse begeistern» 2013
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«Klangkaskaden und sinnliche Tongirlanden» 2011
«Zum Jubiläum Händels Messias» 2010
«Zwei Lehrer, ganz unlehrerhaft» 2010
«Einfach in herrlichen Tönen schwelgen» 2010
Konzert für Gesang, Cembalo und Hammerflügel
Vocalino Konzert Jubilate! 2009
Chorkonzert der Kantonsschule Wettingen 2008
Passions-Konzert Fislisbach 2007
Chorkonzert (Vocalino) 2006
Chorkonzert Klosterkirche Wettingen 2006
Barock-Konzert Wettingen 2004
Osterkonzert 2004
Konzert Klosterkirche Wettingen 2003
Konzert in Lenzburg 2002
Orgerlkonzert Sonnleitner & Mueller 2002
AARGAUER ZEITUNG Montag, 15. Mai 2006

Klosterkirche in hellem Glanz

WETTINGEN Die Sommerkonzerte sind mit einem eindrücklichen Chorkonzert eröffnet worden.

Die Kanti Wettingen hat Unkonventionelles von Müller und die «Missa sacra» von Schumann aufgeführt. Ein grossartiger Klang und die bewegliche Agogik zeichneten den Chor aus. Einmal mehr erwies sich die Schule als ehrenwerte Kulturstätte.

Der Chor und das Orchester der Kantonsschule Wettingen hatten zwei Werke erarbeitet, die sich thematisch unter einen Hut bringen liessen: «Depression und Klagen» hiess das Motto.
«Herr Gott, mein Heiland! Ich schreie Tag und Nacht vor dir!» klagten Alt, Bariton und Sopran, versetzt mit finsterer Miene. Stefan Müllers «Psalm 88» forderte das geschulte Ohr, denn der Musiker hielt sich bei seiner Komposition nicht an konventionelle Tonalitäten, sondern machte Gebrauch von Vierteltönen, die neue Intervalle wie die Naturseptime ermöglichen. Das zudem rhythmisch komplexe tonale Geflecht, erzeugt durch Motivverschiebungen, war für den Chor eine grosse Herausforderung, der er offensichtlich gewachsen war. Die Solisten Susanne Oldani (Sopran), Klara Loczi (Alt), Reto Hofstetter (Tenor) und Rudolf Remund (Bass) meisterten ihre schwierigen Partien souverän, sie schienen mit den Vierteltönen vertraut zu sein.
Das Orchester, bestehend aus Lehrpersonen, ehemaligen und jetzigen Schülerinnen und Schülern, begleitete klanglich differenziert und äusserst flexibel. In den solistischen Partien wirkten Renate Steinmann und Regula Keller (Violine), Susanna Hefti (Viola) und Konrad Jenny (Violoncello).


GEISTIG BEWEGLICH
Auf die Klagen folgten Depression, ein gewaltiger Aufschwung und schliesslich der Zusammenfall. In Robert Schumanns Werk «Missa sacra in c-Moll, op. 147», das geprägt ist von seiner psychischen Störung, wurde man Zeuge von einem Chor, der über eine bewegliche Agogik und Dynamik sowie über eine grosse geistige Beweglichkeit verfügt. Im eröffnenden Satz «Kyrie», bei dem allenthalben harmonisch düstere Stimmungen und schneidende Dissonanzen gesucht werden, kam die Depression zum Ausdruck. Es opponierten das verträumte «Sanctus» und das kraftvolle «Gloria», wo der fantastische Chorklang die Klosterkirche zum Strahlen brachte. Nach den Lichtblicken aber fiel die Musik gemäss Schumanns psychischem Zustand in sich zusammen und verstummte im «Agnus Dei». Der durchwegs überzeugende Auftritt von Chor – an der Diktion darf jedoch noch gearbeitet werden – und Orchester war begleitet vom einfühlsamen Orgelspiel von Jonas Herzog.
Bei den Wettinger Sommerkonzerten steht als Nächstes der Kammermusikabend am 10. Juni mit Werken von Beethoven und Mozart auf dem Programm.
[MATTHIAS STEIMER]
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