CD - Kritiken:
Rezension zu «Kunst der Fuge», 2013
Orgelmusik Johann Sebastian Bach
Melancholische Clavichordmusik
Kritiken zu «Kunst der Fuge»
Versteckte Schönheit


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AARGAUER ZEITUNG Dienstag, 13. April 2004

Christus in Todesbanden

Dietikon Bach-Kantate beim Ostergottesdienst intoniert

Mit vier Gesangssolisten und einem Ad-hoc-Instrumentalensemble umrahmte der Organist Stefan Müller den Ostergottesdienst in der reformierten Kirche Dietikon. Dabei gelangte die Bach-Kantate «Christ lag in Todesbanden» zurAufführung.

JEAN-CLAUDE GOLDSCHMID
Die für den Ostersonntag geschriebene Kantate «Christ lag in Todesbanden» ist ein echtes Jugendwerk Johann Sebastian Bachs. Im BWV(Bach-Werkverzeichnis) ist es gerade einmal mit Nummer 4 verzeichnet, und der spätere Maestro war lediglich 22 oder 23 Jahre alt, als er dieses Opus um 1707/1708 komponierte.
Die jugendliche Kraft, die dieser Kantate innewohnt, beeindruckt indes heute noch. So gipfelt etwa ein schnellerer Abschnitt nach den Worten «da bleibet nichts» tatsächlich mit nichts – einer Pause! Erst danach führt die Melodie zu den jubilierenden Worten «denn Tods Gestalt, den Stach'l hat er verloren» im zartesten Piano weiter. . . Der verwendete Text war bereits zu Bachs Zeiten fast 200-jährig, soll er doch im Jahr 1524 vom Reformator Martin Luther verfasst worden sein. Er preist «das hohe Fest», das des «Krieges » gedenke, «da Tod und Leben rungen – das Leben behielt den Sieg».

Für den Ostersonntag geschrieben
Für den Ostergottesdienst in der reformierten Kirche Dietikon hat deren Hausorganist Stefan Müller keine Mühen gescheut, um diese Kantate zusammen mit den Gesangssolistinnen und -solisten Marina Bartoli (Sopran), Clara Loczi (Mezzosopran), Thomas Leu (Tenor), Rudolf Remund (Bass) und einem sechsköpfigen Ad-hoc-Instrumentalensemble zurAufführung zu bringen.
Die Gemeinde erlebte ein ganz besonderes Musikvergnügen. Die vier Solisten, die Müller noch von der Hochschule her kennen, sangen in höchster Professionalität auf. Jedes Opernhauses würdig, fügten sich ihre Stimmen solo, unisono oder fugenhaft im Kanon zu einem Gesamtbild voller harmonischer Schönheit zusammen. Auffällig im Instrumentalensemble war indes namentlich die Verwendung der heute seltenen, zu Bachs Zeiten aber hochmodernen Gambe (eine Art Cello mit Gitarrenbünden). Das Sextett beeindruckte mit einem sehr vollen und präzisen Klang.

«Der Tod ist nur noch ein Schatten seiner selbst»
Den reformierten Dietiker Ostergottesdienst, bei dem auch ein Abendmahl gefeiert wurde, leitete Pfarrerin Brigitte Ter-Nedden. Diese führte auch in die einzelnen der insgesamt sieben, zur Kantate gehörenden Lieder ein. «Dank Ostern verändert sich unsere Sicht der Welt grundlegend», so Ter-Nedden: «DerTod ist nur noch ein Schatten seiner selbst.» Natürlich gebe es noch Terror, Diktaturen und weitere Todesnachrichten auf unserem Planeten. Doch gelte es, Zivilcourage zu zeigen und dem Elend derWelt aus der Lebensgewissheit des Glaubens heraus entgegenzutreten.
«Das Programm haben wir zusammen mit der Pfarrerin ausgewählt», meinte Stefan Müller nach der Feier. «Diese Bach-Kantate wurde schliesslich genau für den Ostersonntag geschrieben – sonst hätten wir ein Jahr warten müssen, bis wir sie wieder hätten aufführen dürfen.»
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